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Sea-Watch
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Sea-Watch ist ein deutscher Verein mit Sitz in Berlin. Wichtigster Zweck des Vereins ist die Rettung von Menschen auf der Flucht, die im Mittelmeer in Seenot geraten. Der Verein wurde im Mai 2015 von Harald Höppner gegrĂŒndet. Sea-Watch fĂŒhrt Rettungsmissionen mit vereinseigenen Rettungsschiffen durch sowie in Kooperation mit der Schweizer Humanitarian Pilots Initiative zivile AufklĂ€rungsflĂŒge, um aus der Luft nach FlĂŒchtlingsbooten zu suchen.

Contents

‱ Schiffe
‱ Flugzeuge
‱ Rezeption
‱ Weblinks

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GrĂŒndung

Der Verein entstand Ende 2014 aus einer Initiative von Freiwilligen um Harald Höppner, als die italienische Marineoperation Mare Nostrum beendet wurde.cite-ref-1[1] Am 19. Mai 2015 wurde der Verein von Frank Dörner, Harald Höppner, Holger Mag, Ingo Werth, Matthias Kuhnt, Peter Breidbach, Ruben Neugebauer und Tilman Holsten gegrĂŒndet, um im Mittelmeer in Seenot geratene FlĂŒchtlinge zu retten.cite-ref-2[2]cite-ref-3[3] Dabei leistet die Organisation durch unmittelbare Seenotrettung humanitĂ€re Hilfe. Auf der politischen Ebene prangert Sea-Watch die Abwesenheit staatlicher SeenotrettungskrĂ€fte an und fordert mit politischen Aktionen sichere Zugangswege fĂŒr FlĂŒchtlinge und sonstige Migranten nach Europa.cite-ref-4[4]

Seenotrettung

Höppner kaufte einen alten Fischkutter (Sea-Watch), der zwischen Februar und April 2015 in Hamburg-Harburg umgebaut wurde, um das Schiff ab Mitte Juni 2015 im Mittelmeer einzusetzen.cite-ref-5[5] Von November 2015 bis Januar 2016 agierte der Verein im Rahmen des Programms Retter helfen Rettern der International Maritime Rescue Federationcite-ref-6[6] (parallel zu den RettungsaktivitĂ€ten auf der zentralen Mittelmeerroute) mit zwei Schnellbooten vor der griechischen Insel Lesbos, um zu einer Reduzierung der Todesrate bei den zahlreichen Übersetzungen von der TĂŒrkei nach Griechenland beizutragen. Nach eigenen Angaben rettete der Verein im Jahr 2015 rund 2000 Menschen.cite-ref-7[7] Im Dezember 2015, wĂ€hrend der FlĂŒchtlingskrise in Europa 2015/2016, kaufte der Verein die Sea-Watch 2. Seit 2017 ist die Sea-Watch 3 im Betrieb.

Schiffe

Mit relativ kleinen und langsamen Booten, die nicht fĂŒr die lĂ€ngere Aufnahme von Geretteten und den Transfer in HĂ€fen vorgesehen sind, operiert Sea-Watch (Stand 2018) mit aufblasbaren RettungsflĂ¶ĂŸen, auf denen die Menschen Zuflucht finden. Die Übernahme und den Transport in einen sicheren Hafen sieht der Verein als zentrale Aufgabe staatlicher Seenotrettung. Damit vermied Sea-Watch behördliche Untersuchungen wie IdentitĂ€tsfeststellungen an Bord ihrer Schiffe.cite-ref-8[8]

Sea-Watch
Das gleichnamige Schiff Sea-Watch ist ein ehemaliger Fischkutter, den der Verein 2015 kaufte und zum Rettungsboot fĂŒr den Einsatz im Mittelmeer umbauen ließ. Das Schiff wurde 2018 an den Verein Mare Liberum ĂŒbergeben.

Sea-Watch 2
Sea-Watch 2 ist ein ehemaliges Fischereiforschungsschiff und ĂŒbernahm in Nachfolge der Sea-Watch von 2016 bis 2017 zwischen der libyschen KĂŒste und der Insel Malta 14-tĂ€gige Rettungsoperationen. Das Schiff wurde im zweiten Quartal 2017 an die Mission Lifeline verkauft.cite-ref-9[9]
Sea-Watch 3
Sea-Watch 3 wurde zuvor als Dignity I von der Nichtregierungsorganisation Ärzte ohne Grenzen betrieben. Das Schiff war 50 m lang und bis Ende 2019 als Jacht in den Niederlanden registriert. Ab Anfang Dezember 2019 fuhr das Schiff unter deutscher Flagge.cite-ref-10[10] Die Sea-Watch 3 konnte laut eigenen Angaben mehr Personen als die Sea-Watch 2 unterbringen.cite-ref-11[11] 2023 wurde sie abgewrackt.

Mare Jonio
Seit Anfang Oktober 2018 betreibt der Verein zusammen mit dem italienischen Seenotrettungsprojekt Mediterranea Saving Humans den Schlepper Mare Jonio,cite-ref-12[12] der allerdings ursprĂŒnglich nicht selbst zur Rettung SchiffbrĂŒchiger eingesetzt, sondern mit dem FlĂŒchtlingsboote in Seenot ausfindig gemacht und gesichert werden sollten.cite-ref-13[13]

Sea-Watch 4
Seit Anfang Februar 2020 ist der Verein Betreiber der Sea-Watch 4 (zuvor Poseidon).cite-ref-14[14] Das Schiff wurde mit Spenden vom BĂŒndnis United4Rescue – Gemeinsam Retten erworben und ging Mitte August 2020 neben der Sea-Watch 3 in den Einsatz.cite-ref-15[15] 2022 ĂŒbernahm SOS Humanity die ehemalige Sea-Watch 4 und nahm sie im August 2022 unter dem Namen Humanity 1 in den Einsatz.cite-ref-16[16]

Sea-Watch 5

Am 3. November 2022 wurde die Sea-Watch 5, ein 12 Jahre altes Versorgungsschiff, im Hamburger Hafen getauft.cite-ref-17[17]

Aurora
Seit FrĂŒhjahr 2022 betreibt Sea-Watch die Aurora, ein 14 Meter langes Rettungsboot, das – schon fĂŒr diesen Zweck gebaut – von 1994 bis 2019 unter dem Namen Earl and Countess Mountbatten of Burma 25 Jahre lang der britischen Seenotrettungsorganisation RNLI diente.cite-ref-18[18] Das Schiff wurde fĂŒr den Einsatz im Mittelmeer lediglich umgerĂŒstet, unter anderem mit zusĂ€tzlichen Treibstofftanks ausgestattet. Die Aurora erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 25 Knoten, damit ist sie eines der schnellsten Schiffe der zivilen Such- und Rettungsflotte im zentralen Mittelmeer. ZunĂ€chst noch unter britischer Flagge, fĂ€hrt das Schiff mit 6-köpfiger Crew seit November 2022 unter deutscher Flagge.cite-ref-19[19]

Flugzeuge

Zur Suche nach FlĂŒchtlingsbooten werden Seegebiete durch kolbenmotorgetriebene Flugzeuge ĂŒberwacht. Dies geschieht in Zusammenarbeit von Sea-Watch und der Schweizer Nichtgegierungsorganisation Humanitarian Pilots Initiative, die ebenfalls aus den Spendeneinnahme von Sea-Watch finanziert wird.cite-ref-1-20-0[20] Die Piloten fĂŒr die zivilen AufklĂ€rungsflĂŒge ĂŒber dem zentralen Mittelmeer werden von der HPI gestellt.cite-ref-21[21]cite-ref-nzz070517-22-0[22] Jedes sei dabei potentiell in Seenot und man sei verpflichtet es den Seenotrettungsleitstellen zu melden, da diese Boote „meist extrem ĂŒberladen und nicht seetauglich“ seien.cite-ref-1-20-1[20]

Moonbird

Von FrĂŒhjahr 2017cite-ref-sz040718-23-0[23] bis FrĂŒhjahr 2022 setzten Sea-Watch und HPI das erste LuftaufklĂ€rungsflugzeug ein; die Moonbird war eine Propellermaschine vom Typ Cirrus SR 22.cite-ref-sz040718-23-1[23] Im Jahr 2017 haben die Piloten der Moonbird nach eigener Auskunft 119 Boote in Seenot gesichtet und so 20000 Menschen gerettet.cite-ref-sz040718-23-2[23]

Nachdem die maltesische Regierung die HĂ€fen fĂŒr Schiffe von Nichtregierungsorganisationen im Juni 2018 geschlossen hatte, wurde auch dem Flugzeug Anfang Juli 2018 von den Behörden ein Startverbot fĂŒr AufklĂ€rungsflĂŒge vor der libyschen KĂŒste erteilt.cite-ref-sz040718-23-3[23] Im Jahr 2019 erteilte die italienische Luftverkehrsaufsicht der Moonbird ein Startverbot, da das Flugzeug nur fĂŒr Erholungs- oder Non-Profit-Zwecke genutzt werden dĂŒrfe.cite-ref-24[24] Im September 2020 erteilte die italienische Zivilluftfahrtbehörde der Moonbird ein Flugverbot; der Betrieb wurde im November 2020 wieder aufgenommen.cite-ref-25[25]

Seabird 1

Seit dem FrĂŒhjahr 2020 ist das LuftaufklĂ€rungsflugzeug Seabird 1 im Einsatz, ein zweimotoriges GeschĂ€ftsreise-Flugzeug vom Typ Beechcraft Baron 58 (ICAO Kennung B58). Das Seegebiet, das bei einer Mission mit der Seabird 1 abgesucht werden kann, ist fast doppelt so groß wie das von Moonbird: rund 27.000 kmÂČ. Außerdem kann das Flugzeug ca. 7,5 Stunden im Einsatzgebiet verbleiben. Da die Barons zweimotorige Flugzeuge sind, wird durch die Motor-Redundanz deutlich mehr Sicherheit fĂŒr die Crew an Bord gewĂ€hrleistet.cite-ref-2-26-0[26] Die Seabird 1 fliegt unter Schweizer Hoheitszeichen.cite-ref-3-27-0[27]

Seabird 2

Die Seabird 2 ist seit 2022 in Einsatz.cite-ref-2-26-1[26] Auch sie ist vom Typ Beechcraft Baron 58.cite-ref-28[28] An Bord finden bis zu fĂŒnf Crew-Mitglieder Platz. Eine Flugstunde der Baron 58 kostet Stand 2023 etwa 1.100 €. Die Seabird 2 fliegt ebenfalls unter Schweizer Hoheitszeichen.cite-ref-3-27-1[27]

Vorfall vom 10. Mai 2017

Anfang Mai 2017 geriet Sea-Watch in eine Auseinandersetzung mit der libyschen KĂŒstenwache. Sea-Watch wurde zu einem Rettungseinsatz vor der libyschen KĂŒste gerufen. Das Maritime Rescue Coordination Centre in Rom ĂŒbertrug jedoch der KĂŒstenwache die Koordination ĂŒber den Einsatz (ON-Scene-Coordination).cite-ref-29[29]cite-ref-reuters-30-0[30] Sea-Watch beschuldigte die libysche KĂŒstenwache, in einem riskanten Manöver knapp an dem Sea-Watch-Schiff vorbeigefahren zu sein.cite-ref-31[31]cite-ref-standard-2000057351796-32-0[32] Ferner wurde dem libyschen KapitĂ€n von Seiten der Helfer vorgeworfen, weder auf ihre FunksprĂŒche noch auf die eines italienischen Marinehubschraubers, welcher ihn zum sofortigen Anhalten angewiesen habe, reagiert zu haben. Die libysche KĂŒstenwache gab an, von Schleppern beschossen worden zu seincite-ref-standard-2000057351796-32-1[32] und warf ihrerseits Sea-Watch vor, den Einsatz der KĂŒstenwache gestört zu haben. Dem Sprecher Ajub Kassem zufolge wollte Sea-Watch selbst die SchiffbrĂŒchigen retten und fĂŒhrte zur BegrĂŒndung an, dass Libyen nicht sicher sei. WĂ€hrend der Rettungsaktion verloren fĂŒnf Menschen ihr Leben. Die KĂŒstenwache nahm schließlich fast 500 Menschen auf und brachte sie zurĂŒck nach Libyen.cite-ref-reuters-30-1[30] Im Juli 2017 teilte der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag mit, dass er wegen der Anzeige von Sea-Watch Untersuchungen gegen die libysche KĂŒstenwache eingeleitet habe.cite-ref-33[33]

Vorfall vom 6. November 2017

Am 6. November 2017 starben bei einer Rettungsaktion unter Beteiligung von Sea-Watch und der libyschen KĂŒstenwache ĂŒber 50 Menschen.cite-ref-34[34] Die Sea-Watch 3 war von der Seenotrettungsleitstelle in Rom mit der Rettung der Menschen beauftragt worden und gleichzeitig mit einem libyschen Boot an Ort und Stelle eingetroffen. Laut einer Sprecherin der italienischen KĂŒstenwache hatten die libyschen Behörden die Koordination des Einsatzes ĂŒbernommen.cite-ref-focus-online-35-0[35] Ein Gummiboot war havariert, auf dem 140 Menschen auf das Meer hinaus gefahren waren. Die meisten von ihnen waren Nichtschwimmer.cite-ref-laessing-36-0[36]cite-ref-doerfler-37-0[37] Laut Reuters stellte sich nach Auswertung eines ihr vorliegenden Videos die Situation wie folgt dar: Manche der schiffbrĂŒchigen Migranten weigerten sich, von der libyschen KĂŒstenwache gerettet zu werden und versuchten stattdessen, zu dem Sea-Watch-Boot und auf ein nahe gelegenes französisches Kriegsschiff zu gelangen. Nach Darstellung der libyschen KĂŒstenwache habe Sea-Watch eine bereits laufende Rettungsaktion untergraben. Die Sea-Watch 3 habe die Anweisung der KĂŒstenwache ignoriert, sich zu entfernen. Nach Darstellung von Sea-Watch habe die libysche KĂŒstenwache versucht, das Erreichen des Sea-Watch-Bootes zu verhindern. Aufgrund des „brutalen Vorgehens“ der KĂŒstenwache habe es eine Panik gegeben und mehrere Migranten seien ins Wasser gefallen.cite-ref-laessing-36-1[36] Die italienische KĂŒstenwache konnte nach Auskunft ihrer Sprecherin zu der Entwicklung vor Ort keine Angaben machen. Ein Hubschrauber der italienischen Marine stoppte das Schiff der libyschen KĂŒstenwache. Nach Ansicht von Kordula Dörfler stĂŒtzt das von Sea-Watch vorgelegte Bildmaterial die Darstellung von Sea-Watch.cite-ref-doerfler-37-1[37] Sea-Watch 3 rettete schließlich 58 Menschen und brachte sie nach Europa, die libysche KĂŒstenwache nahm 45 an Bord und brachte sie zurĂŒck nach Libyen.cite-ref-focus-online-35-1[35] Wegen der TodesfĂ€lle ermittelte die italienische Polizei. Sea-Watch 3 wurde deshalb auf zunĂ€chst unbestimmte Zeit das Auslaufen aus dem Hafen von Pozzallo verweigert.cite-ref-doerfler-37-2[37] Siebzehn nigerianische Migranten, darunter die Eltern zweier ums Leben gekommener Kinder, reichten mit UnterstĂŒtzung von Nichtregierungsorganisationen, darunter Sea-Watch, im April 2018 Klage beim Menschengerichtshof gegen Italien ein. Dieses habe durch seine Kooperation mit der libyschen KĂŒstenwache das SchiffsunglĂŒck mit ĂŒber 20 Toten provoziert, heißt es in der Klageschrift. Die KlĂ€ger waren bei dem Vorfall von der libyschen KĂŒstenwache gerettet und zurĂŒck nach Libyen gebracht worden, wo einige nach eigenen Angaben spĂ€ter gefoltert wurden. Drei von ihnen kehrten zwischenzeitlich nach Nigeria zurĂŒck, um den libyschen FlĂŒchtlingszentren zu entkommen. Italien verstoße somit gegen das NichtzurĂŒckweisungsprinzip.cite-ref-38[38]cite-ref-39[39]

Auslaufverbot fĂŒr Sea-Watch 3 in Malta

Im Juni 2018 wurde die Sea-Watch 3 von den maltesischen Behörden im Hafen von Valletta festgesetzt, weil sie nicht ordnungsgemĂ€ĂŸ unter niederlĂ€ndischer Flagge registriert wĂ€re. Obwohl die ordnungsgemĂ€ĂŸe niederlĂ€ndische Registrierung schon im Juli geklĂ€rt war, sei der Sea-Watch 3 nach Aussagen von Sea-Watch aus politischen GrĂŒnden weiterhin die Ausfahrt aus Valletta bis Oktober verweigert worden. Mit derart willkĂŒrlichen Akten wĂŒrde die Regierung (seit dem 1. Juni 2018 das Kabinett Conte I) die Seenotrettung behindern und damit fĂŒr den Tod weiterer Menschen verantwortlich sein.cite-ref-40[40]cite-ref-41[41]cite-ref-42[42] Nach dem Bericht der Zeitung Die Zeit ist das Auslaufverbot ohne konkrete Angabe von GrĂŒnden ausgesprochen worden, um zu versuchen, von der NGO eine offenbar juristisch irrelevante ErklĂ€rung zu erhalten, kĂŒnftig auf die DurchfĂŒhrung von Rettungsmissionen zu verzichten.cite-ref-43[43] Im Dezember 2018 reichte Sea-Watch Klage gegen das maltesische Verkehrsministerium ein, weil dieses eigenmĂ€chtig die freie VerfĂŒgung ĂŒber die Sea-Watch 3 verhindert hĂ€tte.cite-ref-44[44]

egmr

Anlegeverbot und Entscheidung des EGMR im Januar 2019

Nachdem das Schiff Sea-Watch 3 mit 47 aus Seenot geretteten Personen, die man am 19. Januar vor der libyschen KĂŒste aufgenommen hatte, ĂŒber eine Woche vor Sizilien auf die Erlaubnis zum Anlanden der Personen gewartet hatte, reichte die Organisation am 28. Januar beim EuropĂ€ischen Gerichtshof fĂŒr Menschenrechte (EGMR) einen Eilantragcite-ref-45[45] im Namen des KapitĂ€ns und einer der „geretteten Migranten“cite-ref-46[46] ein, mit dem nach Pressemeldungen ein Anlanden der Personen in Italien erzwungen werden sollte. Der EGMR entschied einen Tag spĂ€ter, dass Italien die Personen an Bord zwar medizinisch und mit Lebensmitteln versorgen mĂŒsse, Italien aber die Personen nicht an Land lassen muss. Weiter muss den MinderjĂ€hrigen an Bord rechtlicher Beistand gestellt werden. Wenig spĂ€ter wurde aus dem Umfeld der italienischen Regierung bekannt, dass sich Vertreter Deutschlands, Frankreichs, Portugals, RumĂ€niens und Maltas zur Aufnahme der Personen bereiterklĂ€rt hĂ€tten.cite-ref-47[47]

Siehe auch

:

Sea-Watch 3#Rechtsstreit um Hafenzugang in Italien

Festsetzung der Aurora im August 2023

Die Aurora wurde am 21. August 2023 festgesetzt, nachdem sie nach Besatzungsangaben wegen Treibstoffmangel nicht den von italienischen Behörden zugewiesenen Hafen Trapani auf Sizilien, sondern mit 72 Geretteten das nÀher gelegene Lampedusa anlief.cite-ref-48[48] Italienische Kommentatoren des populistischen Blattes Il Giornale warfen dem Verein Sea-Watch vor, absichtlich ein Kurzstreckenboot wie die Aurora einzusetzen, um einen politischen Eklat zu provozieren.cite-ref-49[49]cite-ref-50[50]

Politischer Einsatz

Sea-Watch betreibt nach einem Bericht in der Neuen ZĂŒrcher Zeitung vom Mai 2017 ein EU-kritisches „Politmarketing“. Die Schuld an der Krise liegt nach ihrer Ansicht in der Festung Europa.cite-ref-nzz070517-22-1[22] Ruben Neugebauer nannte beispielsweise die EU im Mai 2017 eine „Konfliktpartei“ in der FlĂŒchtlingskrise, die etwa die libysche KĂŒstenwache zu RechtsbrĂŒchen anstifte.cite-ref-51[51]

Wie viele andere NGOs fordert der Verein, sichere und legale Einreisemöglichkeiten zu schaffen, damit Menschen nicht weiter auf dem Mittelmeer ihr Leben riskieren mĂŒssen, und kritisiert insbesondere die Schließung der Balkanroute, den EU-TĂŒrkei-Deal und den Wiederaufbau der libyschen KĂŒstenwache durch die EU.cite-ref-52[52]cite-ref-0-53-0[53]

Zusammenarbeit mit der EKD

Das Seenotrettungsschiff Sea-Watch 4 (mit dem Namenszusatz „powered by United4Rescue“), finanziert von der Evangelischen Kirche (EKD), wird unter Leitung von Sea-Watch seit 2020 eingesetzt. DafĂŒr wurde der TrĂ€gerverein Gemeinsam Retten ins Leben gerufen, dessen erster Vorsitzender Thies Gundlach von der EKD und zweiter Vorsitzender Michael Schwickart von Sea-Watch ist.cite-ref-54[54]

Finanzierung

Wie viele andere Seenotrettungsorganisationen finanziert sich Sea-Watch, als gemeinnĂŒtziger Verein, ausschließlich aus Spenden.

FĂŒr das Jahr 2017 gab der Verein Ausgaben von 1.954.316,42 € an, davon 23,4 % fĂŒr den Kauf der Sea-Watch 3 sowie 41,9 % fĂŒr den Betrieb der drei Schiffe und 18,4 % fĂŒr die LuftaufklĂ€rungsmission Moonbird. Einnahmen haben man dabei durch etwa 12.000 Spender erzielt.cite-ref-0-53-1[53]

Drei Jahre spĂ€ter, im Jahr 2021, hatten sich die Ausgaben auf 10.918.761,83 € vervielfacht, davon 4.322.182,20 € fĂŒr Personalkosten (42,4 %). Zugleich hatten sich die Einnahmen noch stĂ€rker erhöht auf 12.072.829,20 € durch Spenden und den Verkauf von Merchandise-Artikeln.cite-ref-55[55]

Im Jahr 2019 hatte der Deutsche Evangelische Kirchentag 2019 die Kollekte beim Abschlussgottesdienst teilweise fĂŒr das AufklĂ€rungsflugzeug gesammelt.cite-ref-56[56]

Außerdem betreibt Sea-Watch einen Online-Shop fĂŒr Merchandising.cite-ref-57[57]

Rezeption

Der Frontex-Chef Fabrice Leggeri warf im Februar 2017 den Seenotrettungsorganisationen vor, durch ihre Mission Schlepper zu unterstĂŒtzen. Leggeri verwies darauf, dass zuletzt 40 Prozent aller Aktionen durch Nichtregierungsorganisationen durchgefĂŒhrt wurden.cite-ref-58[58] Die VorwĂŒrfe wurden vom Sea-Watch-Vorstandsmitglied Frank Dörner wie auch in einer gemeinsamen ErklĂ€rung von Sea-Watch mit Cadus, Jugend Rettet, Alarmphone, Mission Lifeline und Borderline Europe im MĂ€rz 2017 zurĂŒckgewiesen. Nach Ansicht von Sea-Watch zeigen diese Zahlen vor allem, dass die EU hier ihrer Verantwortung nicht nachkommt.cite-ref-59[59]cite-ref-60[60] Nach Aussagen des Migrationsforschers Jochen Oltmer wird die Wirkung der Seenotrettungsorganisationen wie Sea-Watch und Sea-Eye als Pull-Faktor in der Wissenschaft verneint.cite-ref-61[61]

2019 wurde Lifeboat, ein Dokumentarfilm ĂŒber eine zweiwöchige Fahrt von Freiwilligen der Sea-Watch vor der KĂŒste Libyens, fĂŒr den Oscar in der Kategorie Bester Dokumentar-Kurzfilm nominiert.cite-ref-oscar-62-0[62]

Im Jahr 2019 erschien der Dokumentarfilm SeaWatch3 der Filmemacher Nadia Kailouli und Jonas SchreijĂ€g. Diese begleiteten die Sea-Watch 3 bei ihrer Rettungsfahrt im Juni 2019 fĂŒr 21 Tage bis zur Festnahme von Carola Rackete.cite-ref-63[63]

2020 zeigte das Frankfurter Museum der Weltkulturen in Zusammenarbeit mit Sea-Watch eine Fotoausstellung ĂŒber fĂŒnf Jahre ziviler Seenotrettung im Mittelmeer. Eine Ausstellung, die nach Jan Tussing von der Hessenschau eindrĂŒcklich zeige, wie die Festung Europa seit Jahren die universellen Menschenrechte mit FĂŒĂŸen trete.cite-ref-64[64]cite-ref-65[65]

Der 22-minĂŒtige Dokumentarfilm Operation Moonbird von Dustin Lose thematisiert den Einsatz des AufklĂ€rungsflugszeugs Moonbird. Der Film aus dem Jahr 2020 erhielt die Auszeichnung Young Eyes Film Award des Internationalen Leipziger Festival fĂŒr Dokumentar- und Animationsfilm.cite-ref-66[66]

Auszeichnungen

‱ 2017: „Frihedsprisen“ der dĂ€nischen Tageszeitung Politikencite-ref-67[67]
‱ 2019: Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis der Stadt OsnabrĂŒck,cite-ref-68[68] Smart Hero Awardcite-ref-69[69] und fĂŒr die KapitĂ€nin Carola Rackete der Globart Awardcite-ref-70[70]

Weblinks

Commons

: Sea-Watch

– Sammlung von Bildern und Videos

‱ Internetauftritt von Sea-Watch
‱ EU setzt weiter auf libysche KĂŒstenwache, ZDF-Reportage zur Rettungsaktion vom 6. November 2017
‱ Rettungseinsatz der Seabird 2, Spiegel-Videoreportage vom 25. Mai 2023

Einzelnachweise

cite-note-11. ↑ Paolo Cuttitta: Repoliticization Through Search and Rescue? Humanitarian NGOs and Migration Management in the Central Mediterranean. Geopolitics, Vol. 23, 2018, S. 7
cite-note-22. ↑ Satzung des „Sea-Watch e. V.“ (Memento vom 2. Mai 2019 im Internet Archive) (PDF-Datei; 312 kB).
cite-note-33. ↑ „Man zwingt die Leute auf die Boote“, TAZ, 14. Dezember 2016.
cite-note-44. ↑ Paolo Cuttitta: Repoliticization Through Search and Rescue? Humanitarian NGOs and Migration Management in the Central Mediterranean. Geopolitics, Vol. 23, 2018, S. 10
cite-note-55. ↑ Antje Hildebrandt: Rettungsschiff „Sea-Watch“: Ungewöhnliches Projekt der FlĂŒchtlingshilfe im Mittelmeer. Welt, 29. August 2015, abgerufen am 7. Juni 2017.
cite-note-66. ↑ IMRF Members Working Together to Help Save Lives on the Aegean Sea (Memento vom 28. August 2018 im Internet Archive), IMRF 3. MĂ€rz 2017, abgerufen am 28. August 2018
cite-note-77. ↑ Umbaubericht 1 ‱ Sea-Watch e. V. In: Sea-Watch e. V. 15. Februar 2015 (sea-watch.org [abgerufen am 17. August 2018]).
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cite-note-99. ↑ Markus Weinberg: Hilfe fĂŒr BootsflĂŒchtlinge im Mittelmeer – Dresdner Seenotretter erstmals mit eigenem Schiff im Einsatz (Memento vom 16. Juni 2018 im Internet Archive), MDR.de, September 2017.
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